„Papa, kannst Du mir mal einen Bogen bauen?“

Diese Frage ist nun schon ein paar Jahre her, aber seitdem ist das Bogenbauen und Bogenschießen aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken.

Den Bogen für meine Tochter baute ich damals nach dem historischen Vorbild des rund 8000 Jahre alten „Møllegabet“-Bogens. Dieser Steinzeit-Bogenfund war nach einhelliger Expertenmeinung ein Kinderbogen. Wenn ein Vater im Mesolithikum für sein Kind so einen Bogen bauen kann, dann kann ich das wohl heute auch, war mein Gedanke.

Bei näherer Betrachtung des Designs fiel mir auf, dass die Dimensionierung dieses Bogens bezogen auf die Funktion geradezu ideal erschien. Der Ansatz, aus einer grundlegenden Funktion heraus Gegenstände zu konstruieren, entsprach mir als Maschinenbauingenieur schon damals. Durch meine Tätigkeit im Bereich der Ausbildung von Ingenieuren hatte ich Zugang zu Berechnungs- und Simulationsprogrammen mit deren Hilfe ich aus den geometrischen Daten des Bogens ein Computermodell errechnen konnte. Dieses führte dann zu Erstaunen auch bei einem befreundeten Ingenieur: „Ganz schön ausgefuchst, überall dieselbe Belastung.“

Für einen Holzbogen ist dies sicherlich die zielführende Konstruktionsmethode, so wie der „Møllegabet“-Bogen ein ideales Design ist. Was der Erbauer dieses Bogens vor Jahrtausenden durch viel Erfahrung, Versuch und Irrtum hergestellt hat, lässt sich in der heutigen Zeit durch Berechnung und Materialtests um einiges schneller und besser bewerkstelligen. Und genau das ist es, was mich zu immer neuen oder verbesserten Designs bringt, mittlerweile auch mit „modernen“ Materialien wie Glasfaser und Carbon.

Ich konstruiere meine Bögen ausgehend von den Eigenschaften  Schussverhalten, Energiespeicherung und Schussgeschwindigkeit. Was für mich einen „custom-made“-Bogen ausmacht, ist das Anpassen und Abstimmen des Bogens auf den Schützen, dazu gehören natürlich auch die Auswahl und Verarbeitung schöner Hölzer nach Kundenwunsch. Die Leistungsfähigkeit eines Bogens aber ist durch seine Konstruktion gegeben, und die steht im Zentrum meiner Entwicklungsarbeit.

Mittlerweile sind zu den Konstruktions- und Berechnungsprogrammen weitere Hilfen, wie eine computergesteuerte Bogenmessmaschine und ein Windkanal, gekommen, die es mir ermöglichen, die einzelnen Konstruktionsparameter immer besser zu erfassen und meine Bögen so zu optimieren.

Neben den Nergal-Recurves und dem Marduk-Langbogen sind weitere Projekte in Planung: ein einteiliger Recurve-Bogen und einer dreiteiliger Langbogen stehen ganz oben auf der Liste...